Seit dem Ausgang der Parlamentswahlen in der Türkei am 7. Juni, bestimmen die Koalitionsverhandlungen das politische Tagesgeschehen. Der Ausgang der Wahlen zeigt zunächst, dass die Siegesgewissheit, mit der der amtierende Präsident Recep Tayyip Erdoğan und die Regierungspartei AKP von einem Teil der Wählerinnen und Wähler durchbrochen wurde. Die Zeiten, in denen eine alleinige Regierungsherrschaft schon vor dem endgültigen Ausgang der Wahl garantiert ist, scheint – zumindest für die kommende Legislaturperiode – vorbei zu sein. Mit der HDP, der Partei des demokratischen Volkes, zieht eine junge Partei in das Parlament, deren Ausrichtung sozialistisch und links-liberal ist. Die CHP (Republikanische Volkspartei), ging als stärkste Oppositionspartei hervor. Sie schaffte es in den letzten beiden Jahren, sich vom einseitig definierten Laizismus abzugrenzen und sich hin zu einem breiteren Wählermilieu – trotz der letztjährigen Niederlage während der Präsidentschaftswahlen – zu öffnen. Die MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung) ist als drittstärkste Partei aus den Parlmentswahlen hervorgegangen. Sie ist dem rechts-nationalistischen Spektrum zuzuordnen.

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