Operation Mare nostrum – so nennt die italienische Regierung ihren „humanitären Militärein­satz“, der weitere Flüchtlingstragödien wie die auf Lampedusa am 3. Oktober verhindern soll. Die von den Römern übernommene Bezeichnung mare nostrum (unser Meer) wurde immer wieder von italienischen Politikern verwendet, um auf die beson­dere Stellung Italiens im Mittelmeer aufmerksam zu machen. Für eine humanitäre Opera­tion scheint der Begriff allerdings schon etwas unglücklich gewählt: Ob es Ministerprä­sident Letta und seinem Innenminister Alfano nun bewusst ist oder nicht, mare nostrum war über die Geschichte vor allem die Parole für einen italienischen Herr­schaftsanspruch im Mittelmeer. Die Historikerin Mariella Cagnetta nennt die Vorstellung der Italiener von „unserem Meer“ einen „geopolitischen Mythos von Pompeius bis Musso­lini“.

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