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Zwischen Elite und letztem Aufgebot: Der syrische Sicherheitsapparat als wesentliche Stütze des Systems, Teil 2 - Fokus-Nahost

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Zwischen Elite und letztem Aufgebot: Der syrische Sicherheitsapparat als wesentliche Stütze des Systems, Teil 2

Insbesondere nachdem in Syrien der Kampf um die beiden Zentren des Landes – Damaskus und Aleppo – begonnen hat, hängt Bashar al-´Asad wie nie zuvor von seinen Bewaffneten ab. Im ersten Teil unserer Miniserie über den syrischen Sicherheitsapparat haben wir uns mit dem engeren Umfeld Bashar al-´Asads und seinen Elitetruppen befasst. Diesmal wollen wir die beiden noch ausstehenden „Ringe der Macht“ analysieren: Die Halb- und Inoffiziellen sowie den Rest der Armee.

Der 3. Ring: Der erweiterte Kreis und die Helfer

Hier finden wir einige herausgehobene Einheiten, v.a. aber jene Truppen, die nicht zur Armee zählen, die zwar eher an der Peripherie des Machtapparates angesiedelt sind, aber durchaus eine wichtigere Funktion ausfüllen, als etwa der Rest der Armee. Dazu zählen insbesondere jene Gruppen, derer man sich ab und an schämt, die man aber auch ab und an einsetzt, v.a. wenn es „Schmutzarbeit“ zu erledigen gibt. Dazu gehören auch die palästinensischen Gruppen.

Tatsächlich wurde mittlerweile mehrfach bestätigt, dass das syrische Regime auch Einheiten der „Palästinensischen Befreiungsarmee“ (PLA) einsetzt, zumal seit Oppositionelle 14 ihrer Kämpfer entführten. Diese Truppe ist ein Überbleibsel jener Armee, die die Arabische Liga für die PLO als Kern einer palästinensischen Armee schaffen wollte. Verschiedene Attentate richteten sich mittlerweile in Syrien gegen sie, so etwa eine der Bomben, die am 17.05.2012 Einrichtungen des Sicherheitsapparates trafen. Am 05.06.2012 wiederum griffen Unbekannte das Auto des PLA-Generals ´Anwar al-Saqqa in Barzan bei Damaskus an, als er gerade seine Tochter zur Schule fuhr. Auch weitere Offiziere dieser Einheit fielen gezielten Attentaten zum Opfer.

Daneben setzt das Regime gegen oppositionelle Palästinenser und Syrer gleichermaßen eine Vielzahl kleinere Gruppen ein, die international zumeist als terroristisch gelten. Tatsache ist etwa, dass es im Lager al-Yarmuk, eigentlich ein Damaszener Stadtteil, schwere Auseinandersetzungen zwischen palästinensisch-syrischen Oppositionellen und der vom syrischen Regime bezahlten Miniaturgruppe „PFLP-GC“ gegeben haben soll. Dabei eröffneten Bewaffnete der Organisation das Feuer auf Demonstranten, woraufhin diese aus Rache deren Hauptquartier niederbrannten. Dies zeigt auch, wie gespalten die Palästinenser in Syrien tatsächlich sind. Gruppen wie die PFLP-GC, PLF, al-Sa`iqah (de facto die palästinensische Branche der syrischen Ba`ath-Partei und nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Eliteregiment der Armee), Fatah-Intifada, usw. ziehen ihre menschlichen Ressourcen v.a. aus perspektivlosen, teils sogar kriminellen, jungen Palästinensern, die oftmals reine Söldner sind. Da diese zumeist kleinen Gruppen dabei finanziell recht gut ausgestattet werden, sind sie vor allem für junge Palästinenser, insbesondere solche aus dem Libanon, sehr attraktiv.

Die Einheiten der PLA hingegen werden aus palästinensischen Wehrpflichtigen in Syrien gebildet, wobei ihre Motivation am besten durch jenen Spruch beschrieben wird, mit dem Libanesen die starke Tendenz dieser Soldaten zum fliegenden Fahnenwechsel beschrieben, den diese Einheiten oftmals unternahmen, kaum dass sie die Kämpfer Yassir `Arafats in Beirut beschiessen sollten: „In Damaskus sind sie Abu Musa (d.h. Oberst Sa`id al-Mugharah, Führer der pro-syrischen Fatah-Intifada), in Zahleh (auf halbem Wege nach Beirut) Abu Niemand und in Beirut Abu `Ammar (Kampfname Yassir `Arafats)“.

Ein ebenso reges Eigenleben zeichnet die kurdische PKK aus, die vom Regime auch jüngst wieder eingesetzt wird. Sie stellt eine militant-nationalistische und kommunistische Kampforganisation für die Unabhängigkeit Kurdistans dar und kann somit nur als „zufälliger Alliierter“ des syrischen Regimes bezeichnet werden, der momentan von dessen Schrumpfungsprozess profitiert, indem er ganze Dörfer im Norden des Landes übernimmt. Die PKK ist bekannt für ihre stalinistischen Praktiken, die vom Einzelnen ein hohes Maß an „Kadavergehorsam“ abverlangen. Allerdings mussten in der Vergangenheit auch syrische Wehrpflichtige kurdischer Ethnizität in ihren Reihen den Militärdienst ableisten. Ihre Motivation dürfte somit zu Teilen eher zweifelhaft sein. Allerdings gelten in Kurdistan sunnitische Islamisten eher als Außenseiter, was angesichts der Darstellung der syrischen Opposition durch das Regime als Ansammlung bärtiger Fanatiker durchaus pikant ist. Zu dieser Stellung der radikalen Sunniten führten auch die erstaunlichen Parallelen zwischen sunnitisch-islamischem Fundamentalismus und arabischem Nationalismus: Für strenggläubige Salafisten ist nicht nur die arabische Sprache als Sprache des Koran etwas ganz besonderes, sondern auch die gesamte arabische Kultur. Diese im Alltag immer wieder sichtbare Gleichsetzung lässt Kurden wenig Platz.

Eine der verbündeten Gruppen des Regimes, die im Libanon gerne als bewaffnetes Vehikel des syrischen Sicherheitsapparates eingesetzt wird, ist die vom Hitler-Bewunderer Antun Saadeh gegründete SSNP. Hier auf einem Plakat abgebildet, Sana'a Mehaidli, die sich am 9.4.85 bei Jezzine im Libanon neben einem israelischen Militärkonvoi als Selbstmordattentäterin in die Luft sprengte und seitdem gerne auf Märtyrerpostern der Partei bzw. Miliz als "Postergirl" des "Muqawamah" verwendet wird.

Eine der wichtigsten Stützen des syrischen Regimes stellt jedoch jenes Phänomen dar, das unter dem Namen „Shabiha“ firmiert. Eines ihrer Mitglieder, Abu Ja`afar aus Latakia, wurde mittlerweile dank seines fast schon clownesken Äußeren zum veritablen Medienstar. Dabei sind die „Shabiha“ keine einheitliche Formation: vielmehr sind sie ein medial verwendeter Sammelbegriff für alle möglichen bewaffneten Milizionäre. Dies betrifft die „Volksarmee“, der nach der Abschaffung der schwerer bewaffneten saraya al-difa`a in den 1980ern verbliebene Restbestand der Parteimiliz der al-Ba`ath, genauso wie die spontan gebildete `alawitische Selbstverteidigungsmilizen sowie die eigentliche „Shabiha“. Diese stellten eigentlich eine Art Mafiabande dar, die das Regime zum Schmuggel von Benzin, Lebensmitteln, Drogen, Waffen, etc. in und aus dem Libanon aufbaute, aber eben auch stets als Schlägerbanden, die Oppositionellen „einheizen“ konnten. Oftmals standen ihre Schläger sogar in direktem Kontakt zu den Behörden, so wie jener berühmte Abu Ja`afar, der seit seinem Wehrdienst in einer Einheit eines Nachrichtendienstes in deren Sold stand. Daneben standen die „Shabiha“ aber auch in direkter persönlicher Loyalität zu Mitgliedern des al-´Asad-Clans. Sie werden heute für die „Schmutzarbeit“ eingesetzt (Video 1, Video 2, zeigt jeweils die „Shabihah“ in Aktion.

Abu Jaafar, eine kleine Internetlegende der "Shabiha" auf einem Screenshot eines Youtube-Videos der syrischen Opposition

Daneben werden offensichtlich immer häufiger ganz normale `Alawiten, aber auch Drusen und Christen bewaffnet, deren Ängste besonders intensiv vom Staatsfernsehen wie auch von radikalen salafistischen Predigern oppositioneller Gruppierungen geschürt werden. Da v.a. die `Alawiten immer mehr mit dem Regime identifiziert, teilweise auch aus dem sozialen Leben ausgeschlossen werden (vgl. hierzu einer unserer früheren Artikel auf www.fokus-nahost.de) verwundert eine solche Reminiszenz an die Bürgerkriege in Irak und Libanon nicht. Nicht umsonst fanden die meisten der bislang gemeldeten Massakern an ganzen dörflichen Gemeinschaften fast alle in jener Mischzone westlich der Küste statt, zwischen Gebirge und den sunnitischen Provinzmetropolen Homs und Hamah, wo `alawitische und sunnitische Siedlungsgebiete nahe beieinander liegen.

Auffallend ist hierbei, dass dieser Teil des Sicherheitsapparates wie auch der 2. Ring teils bewusst, teils unbewusst, aus randständigen Gruppen der syrischen Gesellschaft rekrutiert wurden. Damit fällt einerseits die Hemmung gewaltsam gegen die Opposition vorzugehen geringer aus, andererseits ist hier aber auch jenes Saatkorn zu suchen, welches dem syrischen Aufstand eine Dynamik (Mehrheitsgesellschaft vs. Minderheiten) verleiht, die oftmals vergessen lässt, dass er als ganz normale Abfolge breit angelegter Demonstrationen gegen das Regime begonnen hat.

Der 4. Ring: Der Rest der Armee

Nun ist die Armee in ganz Syrien relativ privilegiert. Ihre Offiziere räumen sich in offiziellen Bussen wie selbstverständlich ihre Lieblingsplätzchen frei, sie fahren ihre Dienstjeeps privat, sie setzen ihre Untergebenen für das ganz persönliche Geschäft ein. Auch wirtschaftlich sind sie ein wichtiger Faktor: In den 90er Jahren arbeiteten 15% aller syrischen Arbeitskräfte für das Militär, wobei die größte Gruppe natürlich jene Wehrpflichtigen darstellen, die alljährlich ihren gewöhnlich 18 Monate dauernden Dienst antreten. Eine der maßgeblichen Pfunde mit denen die syrische Armee wuchern kann, ist Mu´assasat al-´Iskan al-`Askariya oder auch kurz Milihouse. Diese Baufirma wurde 1972 vom Verteidigungsministerium gegründet und mit der Errichtung von Unterkünften für Militärangehörige betraut. Längst jedoch baut Milihouse auch Privathäuser, Industrieanlagen, öffentliche Gebäude und ähnliches und betätigt sich in Landwirtschaft und Industrie unter anderem auch in der Produktion von Honig, Eiern, Plastikblumen, Reinigungsmitteln, Möbeln etc. De facto stellt sie eines der größten Unternehmen im Lande dar, für das zu keiner Zeit eine der vielen Handelsbeschränkungen galt. Und - was ein Zufall - mit schöner Regelmäßigkeit gewinnt sie Projektausschreibungen öffentlicher Bauaufträge, sei es für eine Gaspipline, eine neue Strasse oder für die Stadien der Mittelmeerspiele 1987 in Latakia. Aber auch in den offiziellen Labors und Firmen des Militärs arbeiten tausende Zivilisten, so dass insgesamt in den 1980er Jahren zwischen 70.000 und 90.000 Menschen, das entsprach mehr als der Hälfte aller im öffentlichen Bausektor Tätigen, in Unternehmungen des Militärs beschäftigt waren.

Von Milihouse ursprünglich für die Mittelmeerspiele 1987 gebaut: das Basil al-´Asad-Stadion in Latakia
Quelle: Wikipedia, gemeinfreies Bild

Daneben floss ein nicht unbeträchtlicher Teil der Öleinnahmen direkt an die Armee, ihre Offiziere verdienten zudem am Schmuggel aus und in den Libanon. Die dort angebauten Drogen gingen nach Berichten der amerikanischen Drogenfahndungsbehörde DEA oftmals nach Syrien wo sie in „geheimen“ Labors raffiniert wurden. Nun kann man sich natürlich die Frage stellen, wie „geheim“ dieselben in einem Land mit wahrscheinlich 5 Nachrichtendiensten sein können. Insgesamt wurden allein 1986 nach Schätzungen der DEA etwa 1 Milliarde US-$ aus dem Verkauf von Opium und 6 Milliarden US-$ aus dem Verkauf von Haschisch auf diese Weise „erschlossen“, was den Verteidigungsetat entlastete und die Armee gewogen stimmte.

Dennoch existiert eine große Lücke zwischen den Ringen 2 und 3 sowie dem Rest der Armee. Viele der sunnitischen Wehrpflichtigen gelten als unzuverlässig, sie laufen gerne zur FSA über und werden im allgemeinen mehr für zweitrangige Aufgaben eingesetzt, sieht man mal von Ausnahmen ab, wie der in Dera`a stationierten 5. Division, die bei den Kämpfen im Süden eine wichtige Rolle spielte, sich aber auch Gefechte mit den Soldaten der 4. Division lieferte . Die eigentlichen Kampfaktionen führen in den meisten Fällen die Einheiten der anderen beiden Ringe durch. Die zehntausenden Fahnenflüchtigen, darunter bis jetzt allein 25 Generäle, kommen zumeist aus diesem Teil des Systems. Im folgenden Video etwa berichtet der desertierte General Berro über die Situation im syrischen Heer, die schlechte Moral, interessant aber auch dass er die nicht-oppositionellen Truppenteile mit dem Ausland gleichsetzt – ein typischer Mechanismus der Opposition, der ein sehr blutiges Ende vorwegnehmen kann.

Fazit

Vor allem die Kerneinheiten dieses komplexen Systems haben im Fall einer Niederlage viel zu verlieren: ihre Privilegien, ihre Position, sogar ihr Leben. Über Verwandtschaft und die `alawitische Konfession sind sie zumeist eng an die Person des Herrschers bzw. seine Familie gebunden. Wie auch Christen, Kurden und Drusen einigt sie eine gewisse Angst vor den Islamisten unter den syrischen Oppositionellen. Dennoch ist diese Basis zwar zu offensichtlich fast allem entschlossen, aber doch auch quantitativ sehr klein.

Jedoch, in den 1980er Jahren leistete sich Syrien bei gerade einmal 11 Mio. Einwohnern ganze 500.000 Soldaten plus all die Polizisten, Geheimdienstler, bewaffneten Ba`athis, Palästinenser, Kurden, usw. Diese Waffen sind ebensowenig verschwunden, wie die großflächigen und oftmals völlig undurchschaubaren Netzwerke verschwinden werden. Sie lassen (leider) Potential für einen sehr langen Bürgerkrieg erkennen. Selbst nach einem Sturz des Diktators.

Daneben fehlt in Syrien ein Element, dass in Tunesien und Ägypten der Revolution sehr geholfen hat. Die Armeen beider Länder hatten intensive Kontakte zu westlichen Armeen, im tunesischen Falle zu Frankreich, im ägyptischen Falle erhielt das Militär Husni Mubaraks jedes Jahr 1,2 Mrd. US-$ Militärhilfe aus den USA. Wie Jeffrey Alexander in seiner Studie über die „vermittelte Wirklichkeit“ der ägyptischen Revolution dargelegt hat, kam diesem Einfluss eine große Wirkung zu. Als US-Vizepräsident Joe Biden, getrieben von der überwiegend der Opposition zugeneigten Berichterstattung, den Generälen in Kairo die Streichung der Militärhilfe im Falle eines bewaffneten Eingreifens androhte, war dies schon ein sehr überzeugendes Argument, für eine Armee, deren hochmodernes Equipment in keinem Zusammenhang zur Produktivität der ägyptischen Wirtschaft stand. Ein solcher moderierender Einfluss, monetär oder auf persönlicher Ebene, fehlt im syrischen Falle völlig. Von den Förderern der syrischen Armee, Iran, Russland, China und Nordkorea, ist keinerlei hemmende Wirkung auf den bewaffneten Apparat Bashar al-´Asads zu erwarten.

8 Kommentare

  1. Hallo Christian, ist eure Kommentar-Funktion augeschaltet, oder nur Fake, oder werden nur zustimmende Kommentare veröffentlicht.

    hier noch mal mein Eintrag von vor ein paar Tagen:

    Hallo Christian,
    danke für die gute Zusammenstellung, das rundet meinen Infostand zu Syrien sehr gut ab.
    da in den deutschen Medien eine erstaunlich einseitige Berichterstattung zu Syrien stattfindet, möchte ich gerne auch bei dir auf einige paar Punkte hinweisen:

    1) die Darstellung der Gemengelage von Herscherfamilie, zig Geheimdiensten und milit.
    Einheiten ist natürlich richtig; dem unbedarften Leser erscheint aber ohne den
    folgenden Hinweis diese Beschreinung als syr. Besonderheit und damit als ganz
    besonders „verdorben“ und verbrecherisch
    – natürlich ist dir stattdessen bekannt, dass das Typica aller arabischer Staaten sind,
    so ist etwa der Wirtschaftssektor des ägypt. Militärs um ein vielfaches größer
    als in Syrien
    – diese Parallelen sollten auch immer genannt werden

    2) sowie die Tatsache, dass Syrien
    zusammen mit dem früheren Irak die fast einzigen säkularen Länder waren, was v.a.
    die Frauen und Minderheiten zu sprüren bekommen
    – deshalb sind deine Formulierungen, nachdem das „Regime“ die syr. Minderheiten
    offenbar ganz grundlos in Angst vor sunnit. Islamisten versetzt, eindeutig suggestiv
    – dank der zahlreichen irak. Flüchtlinge in Syrien wissen es die Syrer besser
    – d.h. also die Warnungen sind keine Propaganda

    3)deine Darstellung, dass die Regierung eigentlich nur noch mit den diversen
    Special-Units auf Basis von alawitischen Soldaten kämpft, ist durch die Realität
    an den „Fronten“ widerlegt
    – der Bombenanschlag auf das Sicherheitskabinett (der natürlich kein Werk der FSA-
    Amateure war), wirkte wie ein Weckruf für Syrien
    – nachdem sich unter der Sicheit der UN-Beobachtungsmission ( die syr. Armee war sehr
    gebremst in ihren Handlungen) landesweit die Rebellen festgesetzt hatten, wurde
    nach dem Anschlag erstmals massiv zugeschlagen
    – die derzeitige Situation: die Grenzen zu Jordanien und Libanon sind sehr weitgehend
    dicht, d.h. kein Nachschub; an der jordan. Grenze gibt es keine stronghold der
    „Rebellen“ mehr, an der libanesischen nur nur ein einigen Teilen Homs; an der türk.
    Grenzen ist der Nachschib nach Aleppo weitgehend abgeschnürt und Aleppo selbst war
    und ist ohnehin kein Teil der Bevölkerung Pro-„Rebellen“

    – das alles lässt sich nur erreichen, wenn a) ein Großteil der Bevölkerung aktiv und passiv
    die Regierung unterstützt (z.B. durch Hinweise und eigene Verteidigungskräfte) und b) durch
    den Einsatz der Wehrpflichtigen-Armee, die aufgrund der Zusammensetzung des Volkes dann
    mehrheitlich mit sunnit. Wehrpflichtigen aktiv kämpft

    – erfreulich ist auch, dass die bisherigen Aufmarschgebiete der Rebellen die Nase voll
    haben von diesen (Libanon: Armee geht gegen diese vor, Türkei: hat FSA-HQ
    ausgewiesen und die Lager verlegt, Jordanien: die Muslimbrüder kämpfen geg. den
    König, der sich demnächst gg. diese wehren wird (mit syr. Unterstützung??); Irak:
    ist sowieso ein Verbündeter;

    Bei allen Infos, bin ich natürlich auch skeptisch – sowohl den Pro- als auch Contra-Syrien-Infos. In diesem Sinne, würde ich mich freuen, wenn du vielleicht andere evt. gegensätzliche Daten haben solltest. Vielen Dank und beste Grüße, Max Rexet

    • Thuselt Christian

      4. Oktober 2012 at 09:09

      Nein, wir sieben unsere Kommentare nicht aus, auch nicht wenn sie von der „jungen welt“ und Umfeld kommen 😉 Aber wir erhalten pro Tag mehrere dutzend Spams, so dass ab und an mal was durch die Lappen geht. Zunächst mal sit es richtig, dass die syr. Armee mit ihren Spezifika nicht allein steht, sie hat diese Verwebung, systematisierte Korruption, usw. allerdings wesentlich stärker ausgeprägt als etwa die ägyptische Armee. Syrien mag ein säkulares Regime gewesen sein, das ändert sich aber auch seit Jahren. Ich kennne auch nur Baathis die regelmäßig in die Moschee gehen. Zweifellos versetzt das Regime die Bevölkerung nicht „grundlos“ in Angst, wer jedoch die offizielle Berichterstattung aus Damaskus kennt und sie mit den wahrgenommenen Realitäten der meisten mir bekannten Syrer vergleicht, muss das ganze als groß aufgebauschte Geschichte sehen. Die Opposition begann als Bewegung der abgehängten Peripherie des Landes, erreichte dann auch die Zentren und hat sich erst seit das Regime schießen lässt, radikalisiert. Dass im Krieg die Radikalen und die besser organisierten das Kommando übernehmen, sollte eigentlich ein alter Hut sein. Selbst dass aber stimmt nicht ganz, denn allein die ca. 30.000 Überläufer der FSA sind ja keine Terroristen – oder dienen die etzt auch schon in der Armee? – sondern lediglich normale syrische Soldaten die die Seiten wechseln. Deine Einschätzung der Stimmung der Bevölkerung („in Aleppo selbst war und ist ohnehin kein Teil der Bevölkerung Pro-„Rebellen“) ist schlicht abenteuerlich: ich kenne da keine Umfragen o.ä. und würde mich mit solchen locker leicht und flockigen Einschätzungen zurückhalten. Die Darstellung der Lage in den Nachrabländern stimmt größtenteils nicht, im Libanon geht etwa die Armee keinesfalls gegen die FSA vor, sondern gegen die Versuche beider Seiten (!!!) es mit dem genauen Verlauf der Staatsgrenze nicht so ganz genau zu nehmen. Und leider muss ich Dich auch enttäuschen, was die Eliteeinheiten angeht – ein Großteil der wirklich wichtigen Kampfeinsätze wird von ihnen durchgeführt. Die Wehrpflichtigen verwendet man überwiegend für Routineinsätze und da wo dies nicht der Fall ist, deutet momentan ja alles auf eine bestenfalls mäßge Moral hin.
      Wir veröffentlichen gerne auch kritische Zuschriften. Und nein, wir behaupten nicht vollkommen „unbiased“ zu sein, niemand ist unbiased, ich auch nicht, aber ich weiß es wenigstens. Deine eigene Website, wenn ich das mal sagen darf (sarsura-syrien, oder?), bemüht sich aber noch nicht einmal um ein bißchen Distanz, sondern verwendet ganz unhinterfragt die Terminologie des Regimes („FSA-Söldern“, „Terroristen“).

  2. Hallo Christian,

    danke für deine ausführliche Antwort. Ich erinnere mich an eine Diskussion mit einem Syrer auf einem Pro-FSA-Stand hier in meiner Stadt. Natürlich habe ich ihn darauf angesprochen, dass die Unterstützer der FSA eindeutig keine „uneigennützigen Freunde“ Syriens sind, v.a. Saudis Arabien, indirekt Israel und natürlich die USA. Seine Antwort: „wir würden auch mit dem Teufel paktieren, um das Regime loszuwerden“. Das ist zwar angesichts eines Geheimdienst- und Polizeistaates durchaus zu verstehen, aber der Effekt wäre verheerend. Das ganz sehe ich auch in deiner Position. Doch letztlich muss man bei der Betrachtung dieses Krieges in bzw. gegen Syrien zwei Sachen trennen: den berichtigten Kampf gegen eine Diktatur und der berichtigte Kampf um die nationale Souveränität.

    Ein passendes Beispiel dazu aus der Geschichte: Im großen vaterländischen Krieg (also der Verteidigung der Sowjetunion gegen den faschistische Überfall) wurde mit der Bezeichnung „gr. vaterländ. Krieg“ ganz bewusst eine Mobilsierung aller Sowjets angestrebt, auch jener, die gegen Stalin und gegen die sowj. Staatsform waren. Denn in diesem Krieg ging es ums Überleben (unsere Ur-/ Großväter wollten die Sowjets zuerst versklaven und dann physisch auslöschen).

    Und kommen wir zurück zu Syrien: Der Zuspruch der Rebellen/ Aufständischen/ Terroristen ist in den vergangen Monaten nicht gewachsen, sondern rapide zurückgegangen. Dem Aufruf „Vulkan in Damaskus – Erdbeben in Syrien“ folgte keine relevante Masse, nicht mal Demos gab es mehr also vorher. Der Grund ist einfach: auch viele, die anfangs gegen die Regierung waren, haben oftmals am eigenen Leibe die Praxis der Aufständischen erlebt; sie erkennen die eigentlichen Interessen der „Freunde Syrien“ und wissen, was ihnen blühen würde (Libyen, Irak, Afghanistan). Das alles stärkt die Position der Regierung – auf patriotischer und nicht nur pro-Al Assad-Basis. Das ist die interessante Entwicklung, über die es sich zu berichtet lohnt, und nicht die Märchen aus der Tagesschau auf Basis des Londoner Snackshops 😉

    Nach einer längeren Defensive (bis Juli 2012) befindet sich die syrische Regierung und mit ihr die Mehrheit der Bevölkerung (ansonsten sind solche Erfolge nicht möglich) wieder in der Offensive. Es ist historisch ausgesprochen herausragend, was sie unter diesen extrem schwierigen Bedingungen (Wirtschaftsblockade, Medienkrieg, Kämpfer sickern von allen Nachbarländern ein etc.) bisher an Widerstand geleistet haben. Egal, welche Position du einnimmst, dennoch kannst du es nicht bestreiten, das dies das Ergebnis eines von großen Teilen des Volkes getragenem Widerstand gegen eine ausländische Einmischung ist. Doch wenn dem so ist, dann ist die „Bewegung der Aufstands“ nur eine Minderheitenposition, die (selbst) mit Hilfe des Auslands die Mehrheit des Volkes bluten lässt.

    Ich bin optimistisch, dass das syr. Volk letztlich gegen die ausländ. Einmischung gewinnen wird. Denn zu viele Instrumente sind bereits gescheitert und das, was ihnen jetzt noch übrigbleibt ist: Terrorattentat auf Al Assad oder/ und Überfall der Türkei auf Syrien. Aber selbst bei einen Anschlag auf den Präsidenten wird der Widerstand weitergehen (denn er ist eher ein Symbol für die Nation, als das direkt für ihn gekämpft wird) und ein türkischer Überfall (zur Zeit ja fleißig angefeuert durch die üblichen false-flag-Aktionen) wird eher zu einem sehr schnellen Boomerang für Erdogan(die türk. Mehrheit ist gegen seinen Anti-Syrien-Kurs, in der Grenzregion sowieso, die PKK wird dann aktiver und bindet zugleich Truppen, die Iraner bleiben auch nicht untätig).

    Ich weiß natürlich, dass wir uns kaum annähern werden (der friedliche Austausch von Argumenten ist etwas wert), dennoch mein Appell an dich: wer den Kampf der „Aufständischen“ als die richtige Sache vertritt, negiert die Motive der „Freunde Syrien“, negiert die Zerstörungen in Libyen und Irak und verniedlicht die täglichen Verbrechen der „Rebellen“ als Kollateralschäden.

    Passend dazu auch deine Replik auf Aleppo und die dortige (Nicht)Unterstützung der Rebellen durch die Bevölkerung: Schon vor Wochen haben sich die Rebellen in diversen Botschaften und Videos über die mangelnde Unterstützung der Einwohner beschwert. Auch ist aus vielen Quellen bekannt (z.B. ein frz. Arzt der „Ärzte ohne Grenzen“), das die Kämpfer eber nicht aus Aleppo, sondern aus dem Umland oder in großer Anzahl aus dem Ausland kommen. Eigentlich ist das inzwischen allgemeines Mainstream-Wissen ..

    beste Grüße, Max Rexet

  3. sorry für meine Gesprächigkeit 😉 aber da Argumente oder Statements einfach nur als Meinungen abgetan werden können, „hole“ ich hier zum mathematischen Beweis aus. Deine Position ist:
    – „das Regime“ kann sich nur auf seine (alaw.) Specials Forces verlassen
    – und die Masse der Wehrpflichtigen-Armee ist nicht zuverlässig und wird deshalb
    kaum eingesetzt, v.a. nicht dort, wo es drauf ankommt
    – das belegt dann mithin deine Position, dass es sich beim Konflikt um den Kampf
    der alaw. (Minderheiten-) Diktatur gegen die Mehrheit des Volkes handelt und deshalb
    unterstützt werden muss und auch siegen wird

    Bevor ich zum Beweis komme:
    – ich habe viele Filme aus Aleppo gesehen, wo alles an vorderster Front ist
    – mein Eindruck:die meisten Soldaten sind zu jung und verhalten sich im Gefecht zu
    unprofessionell (Halten der Waffen, Gefechtsordnung etc.) um Berufssoldaten zu sein
    – und: nach dem Mord der FSA an einem Beduinen-Führer im Juli, habe sich tausende
    Angehörigen seines Stammes freiwillig der syr. Armee angeschlossen
    (das ist ja bekannt)

    Nun zum Beweis:
    – nach einer milit. Faustregel müssen bei der Bekämpfung von Gegnern in Bergen und
    in der Stadt 10 eigene Soldaten auf einen feindl. Kämpfer kommen (v.a. für das
    Umstellen und Abschnüren von größen Gebieten)
    – bei ca. 3.000 „Rebellen“ in Aleppo heißt das also (da hier wirklich nur zuverlässige
    und motivierte Soldaten gebraucht werden) 30.000 „Special Forces“
    – zur gleichen Zeit muss natürlich auch Damaskus von besonders loyalen Einheiten
    geschützt werden: macht nochmal mind. 40.000 „Special Forces“

    Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wer zur gleichen Zeit die letzten Djihadi-Zellen in Homs bekämpft (10.000), wer sichert sichtlich erfolgreich die Grenzen zu Libanon und Jordanien (jeweils 50.000). Wer hat dort die strongholds zurückerobert. Wer bekämpft zeitgleich die Nachschubwege aus der Türkei nach Aleppo …

    Da es keinen Ort in Syrien gibt, wo „illoyale“ Truppen „keinen Schaden anfügen“ könnten, sondern überall gekämpft wurde und es auch wieder dazu kommen kann, ist die Gesamtheit aler milit- Kräfte an jedem Ort gefordert und muss engagiert und mutig (jeden Tag sterben ca. 50 syr. Soldaten, Ausage des zentralen Militär-Krankenhauses, zu dem als erstes alle Gefallene gebracht werden).

    Ein besonderer Witz an deiner Theorie ist dann auch noch, dass illoyale Truppen natürlich eingehegt werden müssten von solchen Special Forces .., ansonsten wird sie abhauen oder gegen die Regierung kämpfen.

    Darauf lässt sich nichts entgegnen, trotzdem bin ich natürlich gespannt, auf deine Replik.

    P.S.: Es geht mir nicht darum, dich vorzuführen oder ähnliches. Was mich nur wütend macht, sind unplausible „News“, die bewusst oder unbewusst die uninformierte Öffentlichkeit in ihrer Wahrnehmung des Konfliktes manipuliert.

    • Thuselt Christian

      9. Oktober 2012 at 11:32

      Also dann nochmals: im Text werden die Eliteeinheiten im Zshg. mit den sensiblen Kampfeinsätzen genannt, d.h. nicht, dass sie alle Aufträge erfüllen, also etwa die Sicherung der Grenze zum Libanon o.ä. Allein dieser Kern der Armee von dem ich sprach, umfasst um die 50.000 Mann, das ist eigentlich nicht allzu wenig. Und wenn wir schon bei zweifelhaften Filmchen sind, aus denen Du am Halten der Waffen etwas ablesen möchtest (übrigens sind auch Zeitsoldaten meist ziemlich jung): In eben diesen sieht man nicht nur ab und an sehr deutlich an der Ausrüstung, dass es sich nicht um normale Einheiten der Armee handelt. Hinzu kommen ja noch die Milizen. Im übrigen vertrete ich nicht die Auffassung, dass Syrien eine alawit. Diktatur darstellt. Es handelt sich um ein Familienregime. Ob es gegen die Mehrheit des Volkes kämpft oder nicht, kann ich genausowenig belegen wie Du. Nach meinen Eindrücken und Gesprächen mit vielen Syrern gibt es allerdings keine Mehrheit für Asad in Syrien. Wenn überhaupt, akzeptiert man ihn, weil man Angst vor einem libanes. oder irak. Szenario hat. Dein überschwengliches Reden vom Patriotismus der Syrer kommt mir da reichlich übertrieben vor, um nicht zu sagen, es wirkt seltsam realitätsfern.
      Im Übrigen sehe ich auch keinen Zshg. zwischen Syrien und der UdSSR 1941. Solche schiefen Vergleiche (Faschismus als die in diesem Zshg. kulturelle Konstruktion des absolut Bösen) erfüllen rein demagogische Zwecke, also der Einführung der Kriterien von absolut böse und gut in den Konflikt. Dass ausländische Mächte mit ihren Interessen im Spiel sind, ist unbestritten. Aber der Aufstand brach ohne sie aus, da haben keine „bezahlten Söldner“ (um einnal in der Diktion von SANA zu bleiben) demonstriert. Und ganz nebenbei: auch das saudische Königreich ist nicht Deutschland 1941.
      Und wenn wir schon bei „Manipulation“ sind – was Du mir letztlich vorwirfst – wer, in Bezug auf eine Konfliktpartei, in diesem Fall der Regierungsarmee, von „engagiert und mutig“ gegenüber den „Djihadi-Zellen“ der Opposition usw. spricht, das ist mir schon in Deiner letzten Replik aufgefallen, sollte da wohl wesentlich vorsichtiger sein.

      • Guten Morgen Christian, vielen Dank an dich erneut für deine sachliche Antwort, zumal meine Wortwahl sicher etwas offensiv war.

        Was ich mit dem Vergleich „Großer Vaterländischer Krieg“ meine, ist die Parallele zw. der damaligen sowj. und der heutigen syr. Seite: man ist nicht unbedingt für Stalin bzw. Al Assad, sondern v.a. aus Patriotismus für Syrien und damit für den Kampf der syrischen Streitkräfte.

        hierzu passt sehr gut folgender Beitrag (ja aus Voltairenet, mal bitte ganz
        ohne Scheuklappen lesen 😉

        http://www.voltairenet.org/article176167.html

        Und zu den Sondereinheiten: wie überall üblich werden diese an besonders heißen Kampfplätzen eingesetzt. D.h. aber gar nicht, dass die normale Armee illoyal ist, denn auch diese ist im höchsten Maße (etwa zur Grenzsicherung) gefordert und kämpft sichtlich erfolgreich und deshalb wohl motiviert (ohne gehts nicht).

        Und schließlich noch ein kleiner (hist.) Exkurs zum Beginn der Rebellion. Du erinnerst dich sicher an den Putschversuch in Venezuela gegen Hugo Chavez. Dort gab es auch zu Anfang Demos der rechten Opposition, bei denen es dann passierte, dass sowohl Polizisten als auch Demonstranten von Kugeln tödlich getroffen wurden. Die späteren polizeilichen Ermittlungen ergaben, dass Scharfschützen einer „dritten Partei“ auf Polizisten und Demonstranten geschossen haben, um so gezielt eine Eskalation und v.a. PR-Munition zu erhalten. Dieses sehr „wirkungsvolle“ Vorgehen wurde auch in Syrien angewandt, mit „Erfolg“. Es wurde alles getan, um die Rebellion richtig zum Ausbruch zu bringen und dafür sind natürlich tote Demonstranten schon sehr früh nötig.

        Bitte mach es dir jetzt nicht so leicht und schwinge die übliche Keule (ja natürlich: „Verschwörungstheorie“); denn diese trifft den „Schwinger“: wer angesichts des riesigen track-records vorrangig der USA in Sachen: Umstürze, false-flag-Anlässe für Krieg, Einmischungen und polit. Morde annimmt, dass in Syrien alles seine normalen Gang gegangen ist, beweist sich lediglich als: naiv, uninformiert oder ..

        Wie du siehst, bleibe ich stachelig, dennoch dir noch eine gute Woche!

        Beste Grüße, Max Rexet

        • Thuselt Christian

          10. Oktober 2012 at 09:30

          Na, in gewisser Weise bist Du Dir ja treu geblieben. Oben der abwiegelnde Teil (war nicht so gemeint, ich beiße ja gar nicht…) und unten kommt dann doch die scharfe Munition. Und doch, ich werde die Keule der Verschwörungstheorie schwingen, schon allein deshalb, weil das prophylatkische Warnen, man solle darauf verzichten, natürlich auch so einen Beigeschmack aufweist. Wo bitte sind denn die Beweise für die Scharfschützen einer „dritten Partei“, die die Sache in Damaskus angestachelt haben sollen? Und bitte erwähne jetzt nicht die „Beweise“ von SANA u.ä., auf die gebe ich so viel, wie auf das „Neue Deutschland“ meiner Kindheit (In der Wortwahl syrischer Zeitungen gibt es da sowieso interessante Überschneidungen, fast schon ein deja-vu). Ich kenne nur Syrer, die von offiziellen Polizisten beschossen wurden. Allein aus Parallelfällen lässt sich ja nun mal keine Analogie konstruieren („alle Schwäne sind schwarz, also auch dieser hier“). Die „track-records“ eines Landes beweisen rein gar nichts, genausowenig wie die Russlands, Chinas, Frankreichs oder irgendeines anderen Landes. Zumal auch andere Länder als nur die USA sich solcher „agent provocateur“-Praktiken bedient haben. Komisch, dass damit immer nur die Amerikaner assoziiert werden. Wie schreibst Du doch so schön „Naiv, uninformiert oder….“ – das würde bei diesen Analogiekonstruktionen auch ganz gut passen. Sorry, aber dieser Abschnitt Deiner Replik ist Demagogie und ist „Verschwörungstheorie“. Und bei der Gelegenheit steht es Dir natürlich frei das Wort hinzuzufügen, dass Du Dir mit den … gerade noch so verkniffen hast 😉
          Bemerkenswert auch, dass Du ausgerechnet dem syrischen Staat soviel mehr Vertrauen entgegenbringst als dem amerikanischen, auch diese wohl nicht ganz zufällige Auswahl spricht für sich. Der Syrienkrieg ist – leider – längst zur Projektionsfläche unserer eigenen politischen Identitäten geworden und die extreme Linke hat sich da in trauter Eintracht mit der extremen Rechten ganz wohlig im Anti-Amerikanismus und in der Furcht vor relgiösen Muslimen eingerichtet. Ganz besonders, da einige „gegen den Mainstream sein“ mit einer kritischen Grundhaltung verwechseln.
          Und nochmal zu den Truppen: es ist, fürchte ich, etwas weltfremd, davon auszugehen, dass Armeen nur von Motiviation als Ausdruck der Zustimmung zusammengehalten werden. Da gibt es auch noch andere Faktoren…Angst bspw. oder der disziplinierende Apparat als solcher.

          • christian thuselt

            12. Oktober 2012 at 20:23

            Die Diskussion ging weiter u. wir wollen dem Leser auch den ganzen Schlagabtausch nicht vorenthalten. Ich gehe mal davon aus, Max hat nix dagegen dass ich seine Zuschrift veröffentliche. Schon allein, weil die letzte mail unseres „Diskurspartners“ durchaus aussagekräftig ist:

            Hier also erst Max´ Originalmail, der uns den Lauf der Welt mal eben erklärt, Gott sei dank gibt’s ja nicht nur naive Idioten wie uns:

            Guten Morgen Christian,
            >
            > du meine Güte, das läuft doch einfach zu klicheehaft ab: die
            > bürgerlichen Demokraten
            > haben immer ein Keulchen parat, wenn sie sich unbequemen Argumenten
            > entziehen wollen:
            >
            > „Mit dir brauche ich nicht zu reden, denn du bist (passendes bitte
            > auswählen):
            >
            > () Antiamerikanist
            > () Antizionist
            > () Antisemit
            > () Verschwörungstheoretiker
            > () oder der Klassiker und Evergreen: Kommunist“
            >
            > das ist nicht neu, schon die DDR (Klassenfeind, Querulant) oder etwa
            > das Kaiserreich
            > (vaterlandsloser Geselle) benutzten dieses Instrument.
            >
            > Das Ziel ist dabei immer gleiche: sich der „Zumutung“ zu entziehen,
            > sich mit unbequemen
            > Argumenten und Fakten auseinandersetzen zu müssen. Stattdessen wird
            > der Opponent außerhalb
            > der Diskussionswürdigkeit gestellt. Das ist natürlich
            > undemokratisch und angesichts der Inflation
            > der heutigen „Anti-Ismen“ auch einfach nur peinlich.
            >
            > Ich nehme mir die Zeit für Diskussiomen wie dieser, als Teil meines
            > politischen Engagements.
            > Nicht um Leute fertig zu machen, sondern um sie mit Argumenten und
            > Fakten aus ihrer durchaus
            > gutwilligen Selbstzufriedenheit zu reißen. Trotz meines scharfen
            > Tones hoffe ich, dass du aner-
            > kennst, dass ich mit Argumenten und Fakten „hantiere“.
            >
            > Und bei den inzwischen zahlreichen Diskussionen etwa mit Journalisten
            > und Politologen kann und muss
            > ich inzwischen und für mich überraschend als Parallele feststellen:
            > Naivität.
            >
            > Ihnen allen wie auch dir ist gemeinsam, daran zu glauben:
            >
            > – die USA sind ein Verfechter für Freiheit und Demokratie und selbst
            > eine großartige Demokratie
            > – wir selbst hier in Dtl. leben in einer tollen Demokratie
            > – und Demokratien führen letztlich nicht böses im Schilde
            > (abgesehen von ein paar Ausrutschern natürlich ..)
            >
            > Diese Grundpositionen werden gegen alle gegenläufige Fakten bis aufs
            > Messer verteidigt Vielfach noch
            > ergänzt durch „Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten“.
            >
            > Diese Position vernebelt dann natürlich den Blick auf Konflikte wie
            > in Syrien. Man glaubt dann einfach keine
            > Fakten, die nicht ins Schema passen und billigt selbst Diktaturen wie
            > SA und Katar zu, die Demokratie fördern
            > tu wollen, da sie Verbündete von „uns“ sind.
            >
            > An dieser Stelle konfrontiere ich diese naiven Positionen mit Fakten,
            > die jedem zur Verfügung stehen.
            >
            > Meine Ausgangsaussage ist dafür: die USA sind das Land seit 45, das
            > für die meisten Tote durch Kriege,
            > Interventionen, Wirtschaftsblockaden etc. verantwortlich sind; mithin
            > also der größte Menschenrechts-Verbrecher
            > (aua das ist aber ganz böse antiamerikanisch, stimmst?)
            >
            > – für 3.000 Twintower-Opfer mussten über 1.Mio. Iraker sterben
            > – in Vietnam war das Verhältnis so: 57.000 tote US-Soldaten gegen
            > 1.4 Mio. Vietnamesen
            > – in den 60er Jahren unterstützen die USA das Regime in Indonesion
            > u.a. mit Geheimdienstinfos,
            > Ausbildern, Waffen und pol. Rückendeckung: dank dessen brachte
            > das Regime über 1 Mio. als (vermeintliche)
            > Kommunisten um
            >
            > Die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Allein diese Beispiele
            > kummulieren auf 3,4 Mio. tote Menschen, die aufs
            > Konto der „tollsten Demokratie“ der Welt gehen.
            >
            > Ich kann mir vorstellen, wie du das jetzt versuchst zu relativieren
            > ..
            >
            > Aber genau diese Fakten müssen im Kopf sein, um den Krieg gegen
            > Syrien überhaupt richtig einschätzen
            > zu können. Denn er ist eine von (zu) vielen US-Interventionen. Auch
            > etwa bei der Destabiliserung des soz.
            > Nicaraguas wurden „Proxis“ eingesetzt: die Contras (die finanziert wurden
            > durch den Verkauf von Drogen …,
            > Iran-Contra-Affäre).
            >
            > Und das meine ich mit sträflicher Naivität: Leute wie Journalisten
            > und Politologen kennen die Geschichte nicht
            > und damit fehlt ihnen auch das Instrument, Ähnlichkeiten in
            > aktuellen Verläufen zu erkennen.
            >
            > Denn in Konflikten wie Syrien werden wir nie ausreichend und
            > 100prozentig abgesicherte Beweise tagesaktuell
            > haben. Deshalb reichen Logik, Geschichtskenntnis und die Fähigkeit,
            > Parallelen zu erkennen aus, um den Konflikt
            > richtig einschätzen zu können.
            >
            > -> Massaker die etwa wie bestellt, immer kurz vor den Sitzungen des
            > UNSC stattfinden, sind immer verdächtig
            > (als false-flag-Aktionen), zumal wenn sich das häuft und man
            > nicht mit der Blödheit der syr. Regierung
            > rechnen will, genau das zu tun, was der „Opposition“
            > argumentativ nutzt
            > -> die erstaunlich (nicht wirklich) unterschiedliche mediale
            > Aufmerksamkeit im „Westen“ zw. der friedlichen
            > Rebellion im Bahrein und der „friedlichen“ Opposition in Syrien
            >
            > -> seit Bush jr. wurde ein ganze Anzahl von Naher Osten-Länder auf
            > die Agenda für Regime-Change gesetzt, natürlich
            > auch Syrien;was machen dann wohl die Amerikaner, wenn sie so
            > etwas vorhaben? Däumchen drehen?
            >
            > All das meine ich mit Naivität.
            >
            > Ich stehe dir gerne mit weiteren Argumenten und Diskussionen zur
            > Verfügung. Bitte verstehe das alles von mir
            > als ein Aufwach-Appell an dich.
            >
            > vielen Dank und beste Grüße, Sebastian
            >
            > P.S.: hier kommt noch eine Liste der eigentlich mehr als bekannten
            > Lügen und false-flag-Aktionen der
            > US-Amerikaner der jüngeren Geschichte als Hintergrundwissen:
            >
            > – Vietnam: Tonkin (Details bekannt)
            > – Irak: Colin Powels Märchenstunde in der UNO über die
            > MassenVernich-Waffen
            > – Irak/ Kuweit: die herzrgreifende Geschichte von den Babys, die aus
            > den Brutkästen gerissen
            > wurden (die „Krankenschwester“ war die Tochter des kuw.
            > Botschafters, die Story vorher durch Umfragen
            > gestützt: welches Verbrechen würde sie am meisten schockieren“
            > – Racak: die finnische Untersuchungsleiterin lehnte es ab, die Serben
            > zu beschuldigen (und wurde dafür von Hoolbrok
            > beschimpft)

            Meine Antwort darauf im folgenden:

            Servus,

            eigentlich bin ich nicht der Ansicht dass Deine Suada eine Antwort
            verdient hat, deswegen werde ich mich kurz halten.
            1. Niemand hat ein Keulchen gezückt, auch wenn Du Dich offenbar von einem getroffen fühlst. Deine polit. Einstellung ist mir so in etwa klar, die meine Dir anscheinend auch („bürgerliche Demokraten“). Dass man Dich aufgrund der unreflektierten Einschätzungen („Terroristen“, „mutige und engagierte Regierungstruppen“) irgendwo einordnet, sollte sich eigentlich
            fast von selbst verstehen. Aber auch Dein Lieblingskörperteil ist offenbar das Glaskinn: klischeemäßig austeilen, aber ganz, ganz empfindlich reagieren, wenn´s jemand beim Namen nennt, aus welcher Richtung ausgeteilt wird. Wer mit Signalwörtern und Klischees nicht spart wird, ach Gottchen, daran gemessen. Tust Du ja bei mir auch.

            2. Deine Einschätztungen sind grob holzschnittartig und sorry, das wird man wohl noch sagen dürfen.
            „Und bei den inzwischen zahlreichen
            Diskussionen etwa mit Journalisten
            > und Politologen kann und muss
            > ich inzwischen und für mich überraschend als Parallele feststellen:
            > Naivität.“ Nee, die einen werden dafür bezahlt etwas anderes zu schreiben als Du (ich leider nicht), die anderen sehen es vllt. einfach nur etwas differenzierter als Du. Und da sind wir schon wieder beim Glaskinn, denn so sehr Du stets versuchst, etwas weinerlich einzuklagen, man möge Dich doch bitte als auf Augenhöhe argumentierend anerkennen, so wenig lieferst Du dann und lässt diesmal sogar in mehr als nur Andeutungen erkennen, dass Du Deinen „Diskussionspartnern“ (naiv wie sie
            sind) diesen Status keineswegs zubilligst – wir sind ja naiv, aber Gott sei Dank haben wir ja noch Dich.

            3. Das mit dem Lesen ist nicht gerade Deine Stärke, oder? Ich mag jetzt nicht im einzelnen etwas zu jedem Deiner Auszüge aus dem amerikanischen Sündenregister anmerken, aber im großen und ganzen hast Du recht. Nur was sagt uns das? Ich hatte doch wohl geschrieben, dass man aus Parallelfällen keinen Beweis konstruieren kann. Das Sündenregister der Russen, Chinesen
            und Franzosen (von Syriens Regierung mal ganz zu schweigen) wäre übrigens auch nicht eben kurz. Ich verstehe einfach nicht, wie man daraus Deine in der Mail angesprochene Schlüsse ziehen kann. Ich habe nie geschrieben,
            dass die Amerikaner die Contras nicht unterstützt hätten o.ä., nur dass uns das keinen Beweis für Syrien liefert. Wenn man dann gleich so klischeehaft in eine ganz best. Richtung reagiert, muss man sich halt nicht wundern, wenn man auch in eine best. Schublade einsortiert wird.

            4. Zum Thema Lesen und Stärke: Gott sei dank hast Du Deiner konvulsiven Entladung ja auch noch einen brauchbaren Anhang beigefügt; womit wir wieder beim Lesevermögen sind: Unser Blog hat die Opposition vllt.positiver beurteilt als Du, aber nie die Existenz gewalttätiger Salafisten in Syrien in Abrede gestellt. Nachlesen hilft. Was die Schilderungen zum
            Konfliktverlauf angeht, bin ich allerdings anderer Meinung als der Artikel. Zumal der sich eben doch in den wesentlichen in Frage kommenden Passagen auf „SANA“, „Xinua“, „RIA“ usw. stützt. Deren „Informationen“ muss ich genausowenig für bare Münze nehmen, wie die Berichte der CIA. Ich für meinen Teil habe andere, differenziertere Informationen, die sich
            teilweise, aber eben nur nur teilweise mit dem decken.

            5. „Denn in Konflikten wie Syrien werden wir nie ausreichend und
            > 100prozentig abgesicherte Beweise tagesaktuell
            > haben. Deshalb reichen Logik, Geschichtskenntnis und die Fähigkeit,
            > Parallelen zu erkennen aus, um den Konflikt
            > richtig einschätzen zu können.“ – das meinte ich mit den schwarzen Schwänen. Heißt auf Deutsch: Du weißt es nicht besser, hast aber ein sehr bestimmtes Klischeebild im Hinterkopf. „Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben“, heißt diese Passage auf Deutsch, in der Du
            Dich nebenbei recht peinlich selbst beweihräucherst. Denn ich gehe ja mal aus dem Gesamtzusammenhang davon aus, dass Du Dir die von Dir angesprochenen Fähigkeiten selbst zuschreibst. Parallelen, usw. reichen aber nicht, zumal Du sie anscheinend ja auch ordentlich gefiltert wahrnimmst. Das schöne daran ist ja, wir alle nehmen soz. Realität nur gefiltert war, nur ich weiß es wenigstens von mir. Frage ist:
            überschätzt Du Dich nicht ab und an?

            Grüße,

            Christian Thuselt

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